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Neues aus der Anstalt - März 2020 - Druse Adé, Scheiden tut so gar nicht weh
Sonntag, 31 Januar 2021 13:37 Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Von Mitte Oktober 2019 an hatten wir ein halbes Jahr lang fast nur das Thema Druse am Hof – und haben´s im Frühjahr 2020 endlich überstanden; ohne Todesfälle. In der großen Herde mit fast 40 Pferden hat es fast alle Tiere mehr oder weniger schlimm erwischt; nur drei Pferde blieben trotz Dauerkontakt mit den Erkrankten komplett symptomfrei. Pferd Nummer vier, die mutmaßliche „Patientin Null“, hatte zwar als Erste die klassischen Symptome (Fieber und eitrigen Nasenausfluss), dies aber rätselhafterweise nur einen Tag lang. Danach war und blieb sie gesund trotz des hohen Infektionsdrucks durch ihre Herdenmitglieder.

Bis heute wissen wir nicht, was das denn eigentlich war, zumal in den ersten fünf Labortests kein Druse-Erreger nachgewiesen werden konnte und einige Verläufe anfangs doch eher untypisch waren. Möglicherweise handelte es sich auch primär um eine Virusinfektion, auf die sich dann das omnipräsente Druse-Bakterium streptococcus equi equi draufgesetzt hat. Wir werden es nie erfahren.

Es ist uns uns durch strikte Hygiene-Maßnahmen (kompletter Bekleidungswechsel des Betreuungs-Personals inklusive Schuhe, Reinigung der Maschinen) gelungen, während der gesamten Zeit ein Übergreifen des Erregers auf die beiden kleineren Offenstall-Gruppen zu verhindern. Hier sind weitere acht Pferde gesund geblieben.

Allerdings: Mehrere Pferde zeigten lebensbedrohliche Komplikationen (Autoimmunreaktion manifestiert durch Anschwellen aller Gelenke,  metastasierende Druse, Erstickungsgefahr durch extrem geschwollene Lymphkonoten). Zwei mussten stationär klinisch behandelt werden, drei weitere behielten ambulant nicht zu beseitigende Vereiterungen in den Luftsäcken zurück und mussten deshalb ebenfalls einige Tage in die Klinik. Ein Pferd leidet nach wie vor unter Atembeschwerden, wahrscheinlich hervorgerufen durch einen einseitig gelähmten Kehldeckel. Wir hoffen sehr, dass sich bei diesem oder anderen Pferden keine weiteren Folgeschäden manifestieren.

Erst nachdem auch der letzte Patient nach Luftsack-Endoskopie, ggf. Spülung und Laboruntersuchung der endoskopisch entnommenen Proben „clean“ getestet war (Test-Marathon über zwei Tage – schon zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns…), haben wir den Hof wieder „geöffnet“. Nun sind hoffentlich alle Pferde, die´s überstanden haben, für die nächsten Jahre immun. Auch die seitdem neu eingezogenen Pferde sind nicht erkrankt, was zeigt, dass wir keine „stillen Ausscheider“ mehr haben.

Was wir erlebt haben? Die Druse hat die Stallgemeinschaft auf eine harte Probe gestellt; natürlich geht jeder Pferdebesitzer anders damit um. So gab es unterschiedliche Auffassungen, wie engmaschig ein Fieber-Screening zu sein hat, an welchem Punkt medikamentös eingegriffen werden sollte und welche Präparate zur Anwendung kommen sollten. Auch unter Tierärzten gibt es hierzu verschiedene Positionen und Erfahrungen. Letztendlich haben wir´s aber gemeinsam gewuppt, auch durch die tatkräftige Mithilfe unserer tollen Einsteller.

Sehr belastend: Noch bevor wir selbst das erste valide Druse-Testergebnis hatten, waren wir in den sozialen Medien „der Drusehof“. Die Panikmache im Umgang mit dieser Krankheit ist wirklich unglaublich. Dabei lässt sich eine Übertragung unter Einhaltung einfacher Hygieneregeln selbst innerhalb des Hofgeländes vermeiden, wie sich bei uns gezeigt hat. Dennoch erwecken selbsternannte „Experten“ in den sozialen Medien den Eindruck, es handle sich um einen Erreger, der sich kilometerweit selbstständig durch die Luft bewegt auf der Suche nach einem neuen Wirt. Selbst die Tierärzte und Hufschmiede, die unseren Hof besuchen, wurden von anderen Kunden unter Druck gesetzt. Vielen Dank denen, die trotzdem gekommen sind, unsere Pferde behandelt haben und natürlich die Standard-Hygiene angewandt haben. Unseres Wissens hat keiner „unsere“ Druse auf einen anderen Hof getragen.

Ebenfalls toll: Alle regelmäßigen Reitschüler haben die Druse-Zeit mit uns und ihren Lieblings-Schulpferden mit durchstanden, beim Fiebermessen und Inhalieren geholfen, sind mit den Pferden spazieren gegangen, haben Bodenarbeit gemacht und viel Theorie-Unterricht genossen – mit dem Ergebnis, dass alle im Frühjahr die Prüfung zum „Basispass Pferdekunde“ (jetzt „Pferdeführerschein Umgang“) ablegen konnten. Im Sommer folgte dann der „Pferdeführerschein Reiten“, sodass wir jetzt eine Schar von Reitschülern mit soliden Grundqualifikationen haben. Und eine Reitschülerin hat sogar ihre Biologie-Facharbeit zum Thema Druse geschrieben – mit Fallbeispielen und aktuellen Fotos ;o)

Auch von anderer Seite hat die Reitschule sehr viel Unterstützung erfahren – nicht nur bei den zusätzlichen Arbeiten, sondern auch finanziell. So haben sich einige Einsteller an den Behandlungskosten für Schulpferde beteiligt und selbst eine uns bis dato völlig unbekannte Pferde- und Menschenfreundin hat eine großzügige Spende geleistet, um die Schulpferde in ihrer tollen Arbeit für Jugendliche zu unterstützen. Vielen Dank dafür!

Was wir gelernt haben? Jede Menge. Hoffentlich müssen wir das Wissen so schnell nicht anwenden – unsere Pferde sollten jetzt erst mal ein paar Jahre immun sein gegen Druse. Rückblickend betrachtet haben wir aber Fehler im Seuchen-Management gemacht. Das empfohlene „Ampel-System“ – räumliche Trennung der Pferde in „erkrankt“, „vermutlich erkrankt“ und „symptomfrei“ - ist bei Großgruppen-Haltung im Offenstall mit Gemeinschaftsraufen und Gemeinschaftstränken natürlich kaum umsetzbar. Mangels Stallgasse mit Einzelboxen oder genügend getrennten Stallanlagen haben wir es dann gar nicht erst probiert. Das war im Nachhinein der größte Fehler, denn in kaltem Wasser fühlt sich der Druse-Erreger besonders wohl und hält sich besonders lange. Trotz regelmäßiger Reinigung waren die Tränken ständig zugerotzt. Vermutlich haben sich auf diesem Weg auch Pferde infiziert, die bei etwas niedrigerem Erreger-Druck vielleicht gesund geblieben wären. Irgendwann ist uns das dann doch klar geworden und wir haben den Auslauf in drei Parzellen unterteilt – das machen wir beim nächsten Mal, das es hoffentlich nicht geben wird, von Anfang an!

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Über die Autorin
Kri
www.bruecklocherhof.de

Jahrgang 1970, Trainer C für Islandpferde, Pferdewirtschaftsmeisterin (Abschluss als Jahrgangsbeste), dreifache deutsche Meisterin im Trekkingreiten, Fachbuchautorin (unter dem Pseudonym Christa Arz erschienen: „Faszination Wanderreiten“, „Bodenarbeit“). Einsatzgebiete: Reitunterricht, Rittführung, Beritt und Jungpferde-Ausbildung, Planung, ein bisschen Hufbeschlag, ein bisschen Tierarzt (bis die Experten da sind ;o) ), Hausmeister-Jobs, Bauplanung und -leitung, Öffentlichkeitsarbeit, Katastrophen-Management. Kurz: Mädchen für Alles mit profunden Kenntnissen in manchen Bereichen und einem soliden Halbwissen auf ziemlich vielen Gebieten. Selten ohne Australian-Shepherd-Hündin Nava anzutreffen. Bis zur Hofgründung im Jahr 2004 arbeitete Kristina Hammer als Redakteurin bei einer Tageszeitung und Fachjournalistin. Daher das bis heute gebräuchliche Kürzel "Kri". Sie hält und reitet eigene Islandpferde seit 1984 und hat sich seitdem nicht nur im Gangpferdereiten fortgebildet, sondern sammelt noch immer kritisch und neugierig Impulse aus der gesamten Pferdewelt: Horsemanship, Roundpen-Arbeit, Biomechanik von Pferd und Reiter, klassische Dressur, Centered Riding, Langzügel, Doppellonge, Springtraining nach der "Chiron"-Methode... denn: Ohne Input kein Output!

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